SAARART 11

30. April bis 18. Juni
Eröffnung 30. April, 15.30 Uhr

Im Saarländischen Künstlerhaus stellen aus: Dietmar Binger, Henrik Elburn, Jo Enzweiler, Daniel Hausig, Hans Huwer, Vera Kattler, Maria Seitz und Anja Voigt.

 

Kunstbegegnung – Im Gespräch

Menschen unterschiedlicher Profession im Gespräch mit den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern

09.05. Dr. Jens Düsel, Jurist in der Abteilung für Wirtschafts- und Strukturpolitik im Wirtschaftsministerium, im Gespräch mit Prof. Daniel Hausig

16.05. Ulrich Commerçon, Minister für Bildung und Kultur, im Gespräch mit Maria Seitz und Hans Huwer

23.05. Prof. Dr. Reinhard Wilhelm, ehemaliger Direktor des Leibniz-Zentrums für Informatik Schloss Dagstuhl, im Gespräch mit Prof. Jo Enzweiler

30.05. Bernd Nixdorf, Autor, im Gespräch mit Vera Kattler

Beginn jeweils um 19.00 Uhr

 

 

Das Bedürfnis zu ordnen, Dinge oder Begebenheiten einzuordnen um sie besser verstehen zu können, ist für die meisten Menschen ein grundlegendes Bedürfnis. Dabei wird oft ein bestimmtes Konzept zugrunde gelegt, aber eine Ordnung kann auch dem Zufallsprinzip folgen – beides hat seine Gültigkeit. So ist auch die Ausstellung im Saarländischen Künstler-haus von diesen beiden Polen geprägt. Je nach Künstlerpersönlichkeit überwiegt einmal mehr das Kalkül und ein anderes Mal die Intuition.

So steht am Anfang von Hans Huwers Schnittlinien-Arbeiten ein strenges Rasterkonzept, das durch den – nach bestimmtem Plan – ausgeführten Auftrag von Kreidelinien einen malerischen, nicht in Gänze vorhersehbaren Charakter hinzugewinnt. Dietmar Binger hin-gegen versucht mit Hilfe eines Rasters „das Chaos der Erinnerung“ in der Darstellung zu bändigen. Anschließend kratzt er die Oberfläche weg und arbeitet sich im Prozess dieser Arbeit ab an Bildern seiner Vergangenheit. Vera Kattler wiederum provoziert den Zufall in ihren Tuschebildern menschlicher Antlitze. Innerhalb vorgegebener Setzungen lässt sie den Zufall mitarbeiten: wie verläuft die Tusche, was entsteht im Trocknungsprozess? Auch der mäandrierende Lichtschlauch in der raumbezogenen Licht-Installation von Daniel Hausig wirkt auf den ersten Blick fast malerisch, ist aber zugleich Teil eines Experimentes, in dem die Wandlung von Farben durch den Einsatz von neuen Farb-Licht-Systemen thematisiert wird. In Anja Voigts Installation bildet die von ihr aus einer Kartonverpackung entwickelte Keilform – der Keil als Sinnbild aller Werkzeuge schlechthin – die Grundlage aller möglichen Faltungen, die sie mit Hilfe eines Computerprogramms bis ins Unendliche generieren kann. Bei Jo Enzweilers plastischen „Architekturmodellen“ spielt der Zufall keine Rolle mehr. Doch ungewöhnliche Ein- und Durchblicke bewirken eine gewisse Auflösung der Trennung zwischen Innen und Außen: in diesen „Räumen“ ist keine eindeutige Orientierung mehr möglich. Eine besondere Raumerfahrung erlebt man in dem schmalen Durchgangsraum, den Maria Seitz mit Fäden bespannt hat, so dass die tatsächlichen Raummaße nicht mehr nachvollziehbar sind. Dies ruft beim Durchgehen einen Moment des Innehaltens hervor – als ob wir uns sammeln müssten, bevor wir weitergehen können. Ein Innehalten ganz anderer Art erfordert die skulpturale Videoinstallation von Henrik Elburn. Der Betrachter muss sich vom realen Ausstellungsraum abwenden und seinen Blick und seine Aufmerksamkeit ganz auf die Videobilder im Inneren dreier schwarzen Tuben lenken.

Acht Künstler, acht mögliche Lösungen des Ordnungsproblems. In dieser Ausstellung hat man die Gelegenheit, den spannenden Bereich zwischen scheinbarer zufälliger Unordnung und formaler Stringenz – auch für sich selbst – auszuloten.

Friederike Steitz

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