Plakatmotiv
Galerie „BEST OF. Wunderbar unverkäuflich“10.06.2021 – 15.08.2021
14. Mai 2021

Slide Studio Studio

Michael Kalki


10. Juni 2021 - 07. Juli 2021

„Future“


Text: Marc Hoch, Saarbrücken, 2020
Acht Bilder, groß wie Monumente, archaisch, rätselhaft, modern: In einer Welt, in der der letzte Winkel der Erde vermessen ist, die Gezeiten auf die Sekunde genau vorhergesagt wer-den und das Genom des Menschen entschlüsselt ist, wirkt der neue Werkzyklus von Michael Kalki wie eine provokante Herausforderung an den Verstand.

Wo alles erklärbar und schon gedeutet ist, entziehen sich diese großformatigen Bilder dem schnellen Zugriff und zwingen den Betrachter in eine Welt, in der nichts mehr dem ent-spricht, was er kennt: „Future“. Formen, Farben, Gestalten und Linien repräsentieren etwas ganz und gar Fremdes, und wer fürs Erste das Abenteuer scheut, in dieses neue Land aufzu-brechen, sollte sich zumindest fragen, wie es sich anfühlen könnte, in dieser Fremde zu sein.

Chaos ist die Abwesenheit von Ordnung, aber diese Bilder haben eine Ordnung. Die gelbe Tafel mit dem Sonnengeflecht ist in mehrere Dreiecksflächen unterteilt, deren Linien exakt in den Mittelpunkt weisen. Die schwarzen, rätselhaften Schraffuren auf einer anderen Tafel sind parallel gezogen und werden von den gegenläufig horizontal gezogenen Farbflächen gehalten, sodass das Bild nicht auseinander fällt. Selbst der schwarze Kriegsgott ist nicht eine beliebig ins Bild gemalte Fläche, sondern mehrere weiße Linien deuten seine Tiefe an, und die mit rascher Hand ausgeführten dunklen Striche erwecken den Eindruck einer Bewegung, als wären seine Tage bereits gezählt und als würde er außerhalb des Bildes untergehen.

Auch die schwarz gestrichelten Symbole, die an Runenzeichen erinnern, tauchen immer wie-der auf. Sie wirken, ganz besonders in dem schraffierten Hauptbild, wie ein archaischer Be-schwörungszauber auf die Kunst selbst: Schaut her, diese Welt ist noch nicht ausgedeutet, sie ist ein Geheimnis und bietet für den, der sich ins Fremde und Andere aufmacht, unendlich mehr.

Dieses Fremde übersetzt Kalkis Zyklus in harmonischer und manchmal auch verstörender Weise. Fragen, wohin man schaut. Die Antworten kann nur der Betrachter für sich und im-mer wieder neu finden. Er braucht dazu zwei Fähigkeiten, die in der ausgedeuteten Welt zu verschwinden drohen: Phantasie und Widerstandskraft, das Ungewisse auch einmal auszu-halten.

Zur Ausstellung erscheint ein Künstlergespräch als Video und ein Katalog.

Michael Kalki lebt und arbeitet in Saarbrücken
1998 - 2000 Central Academy of fine Arts Beijing, V.R. China
1993 – 1998 Kunstakademie Düsseldorf, Klasse Prof. Graubner, Diplom
1991 – 1993 FH Niederrhein, Krefeld, Fotografie bei Prof. Orlopp

Abb.: Michael Kalki