J. S. Sitermanns
Johannes S. Sistermanns„Klang schweigt Zeit I“studioblau25.02.2021 – 28.03.2021Videos
12. Februar 2021

Slide Studio Studio

Karen Fritz


15.04.2021 - 30.05.2021

„it.erratic“



Video: "In den Wald, um zu reden"
Podcast: „Iterationen als künstlerische Handlung“ – Karen Fritz im Gespräch mit Michael Voigt

Für ihre multimediale Installation „it.errartic“ im studioblau kombiniert Karen Fritz physikalische und mathematische Phänomene zu einer Skulptur, die die Berechenbarkeit der Modelle aufbrechen und sich stetig unvorhergesehen wandeln kann. Sei es durch zufällige Ereignisse von außen, Wachstum von Pflanzen und Algen, oder durch die verwendeten Materialien.

Ein Kreis, drei Punkte, verbunden durch Linien. Drei Linien treffen sich von den Ecken ausgehend in der Mitte. In jeder der drei Flächen, die entstehen, treffen sich wieder drei Linien von den Ecken ausgehend in der Mitte, und wieder, und wieder.

Iterationen (vgl. Mandelbrot) sind Grundlage zur Simulation realistisch wirkender und komplexer Animationen. Ebenso dienen sie zur Berechnung von natürlichen Prozessen und Erscheinungsformen. Zufall wird durch Wahrscheinlichkeit im Mittel simuliert. Entsteht jedoch in der Einzigartigkeit des Zufalls nur ein erratischer Moment, der sich jeder Berechnung und Vorhersagbarkeit entzieht? Kann Leben berechnet werden?

Iteration wird in der stetigen Wiederholung als skulpturale Handlung eingesetzt. Material, Ereignisse von außen, intuitives Vorgehen und tatsächliches Pflanzenwachstum formen und stören diese Gleichmäßigkeit. Im Inneren der Visualisierung mathematischer Prinzipien der Skulptur entsteht ein Kosmos aus Wasser, Algen und Wärme. Ist die künstlich geschaffene Welt doch nur deshalb faszinierend, weil sie letztendlich aus Natur besteht und in gewissem Umfang macht, was sie will? Ist Beobachtung nur dann interessant, wenn unvorhergesehene Dinge passieren? Ist der technokratische Mensch als Herrscher*in über sogenannte Natur dann nicht sich selbst ein Feind?

In Verbindung mit der Video-Performance “in den Wald um zu reden”, in der Bruchstücke stereotypischer Sätze der Covid-19-Zeit so in die Kamera gesprochen werden, dass diese durch den Atem beschlägt, wird auch die Lock-Down-Situation, mehr als diffuse Beobachtung denn als Statement, thematisiert. Sogenannte Natur als Ausweichort, Leben unter einer Glocke, Soziale Nähe, getrennt durch den Screen und die digitale Ästhetik.

Abb.: © Karen Fritz