Gedenkausstellung„Andrea Neumann – An der Schwelle zur Abstraktion“ 27.01.-13.03.2022
4. Januar 2022

Foto: Jürgen Bauer

Offener Brief
Saarbrücken, 8. März 2022

Stellungnahme der Vorstände der saarländischen Künstler*innen-Vereinigungen BBK Saar, Saarländischer Künstlerbund und Saarländisches Künstlerhaus zur Ausschreibung „SaarART 2023 - Au Rendez-vous des amis" an die Ministerin für Bildung und Kultur des Saarlandes Christine Streichert-Clivot und die Kuratorin der Landeskunstausstellung Saarart 2023 Dr. Andrea Jahn.

Sehr geehrte Frau Ministerin Christine Streichert-Clivot, sehr geehrte Frau Dr. Andrea Jahn,

"Die Landeskunstausstellung übernimmt als ein Großprojekt des Landes die wichtige Aufgabe das aktuelle Kunstgeschehen im Land abzubilden." Mit diesen Worten beginnt Ihre Ausschreibung zur Saarart 2023. Als Vorstände der drei großen saarländischen Künstler*innen-Vereinigungen freuen wir uns, dass es nach den zwei hinter uns liegenden, sehr schwierigen Pandemie-Jahren und einer sechsjährigen Pause 2023 für die Kunstschaffenden im Saarland wieder ein großes Forum geben soll, ihr aktuelles Schaffen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Wir sehen in der Ausschreibung einige offene Fragen, Kritikpunkte und Anregungen, die wir als Künstler*innen-Vereinigungen im Saarland in dem offenen Brief zum Ausdruck bringen möchten:

Mitsprache der saarländischen Künstler*innen im Vorfeld
Die Vorbereitungstreffen zur Saarart 2023, an denen wir Künstler*innen-Vereinigungen beteiligt waren, begrüßten wir sehr. Bei diesen Treffen haben wir auf kritische Punkte im Ausschreibungsentwurf hingewiesen und uns wurden Nachbesserungen in Aussicht gestellt. In der nun veröffentlichten Ausschreibung sehen wir unsere Einwände nicht abgebildet:
• Möglichkeiten der Bewerbung von Künstler*innen, die nicht in den sehr eng gefassten Themenfeldern arbeiten (möchten) oder an sich nicht thematisch im Sinne der Ausschreibung arbeiten.
• Möglichkeiten der Bewerbung mit ortsbezogenen Arbeitsweisen – Entwicklung von Konzepten mit Kostenkalkulationen für ortsbezogene Arbeiten können nicht präzise sein, wenn der Ort, an dem ausgestellt wird, im Vorfeld nicht bekannt ist.

Öffnung der Saarart für die Großregion, „Au Rendez-vous des amis“
Die Idee einer grenzüberschreitenden Großausstellung und Zusammenarbeit begrüßen wir sehr und für die Künstler*innen im Saarland ist es nach zwei existentiell schwierigen Jahren in der Corona-Pandemie ein wichtiges Signal, wenn sie sich im Rahmen der Landeskunstausstellung einer breiten Öffentlichkeit präsentieren können.
Die Art der geplanten Umsetzung im Rahmen der Landeskunstausstellung Saarart 2023 sehen wir jedoch kritisch: Die SaarLorLux-Art wird ausschließlich aus Mitteln des Saarlands finanziert und die Ausstellung mit Teilnahme von Künstler*innen aus der Großregion und begrenzter Teilnehmer*innenzahl findet ausschließlich im Saarland statt. Die zur Verfügung stehenden öffentlichen Gelder (300.000 Euro + x) und die Ausstellungsräume werden demzufolge leider nur in sehr begrenztem Umfang für die Kunstschaffenden im Saarland eingesetzt. Wir halten deshalb die Landeskunstausstellung per Definition nicht für das richtige Instrument, die interregionale Zusammenarbeit zu befördern.
Wir sähen es stattdessen wegweisender, für diese Idee ein eigenes, entsprechend kuratiertes Forum ähnlich einer Biennale in Zusammenarbeit mit Kunst-Institutionen in Frankreich und Luxemburg ins Leben zu rufen, an der sich alle Mitglieder der Großregion finanziell beteiligen müssten, so dass die Künstler*innen der beteiligten Regionen gleichermaßen davon profitieren können. Ein Forum, über das sich die im Motto der Landeskunstausstellung beschworene Freundschaft nachhaltig entwickeln könnte.

Vorleistungen der Künstler*innen & Ausstellungshonorare
Die Zahlung von Ausstellungshonoraren bei Ausstellungsteilnahme halten wir für äußerst wichtig, um die Leistung von Künstler*innen wertzuschätzen. Bei dem neu vorgestellten Konzept müssen allerdings alle sich bewerbenden Künstler*innen in erhebliche Vorleistung gehen, um den spezifischen Themenfeldern der Ausschreibung gerecht zu werden, weil sie "möglichst ... neu konzipiert werden" sollen. Das bedeutet Recherche und Reflexion, Experiment und Prozess und für die geforderte Arbeit und Leistungen werden nur wenige honoriert. Dies ist zwar ein gängiges Modell im aktuellen Kunstbetrieb, wir sehen es im Rahmen der Landeskunstausstellung eher kritisch, weil wir das formulierte Ziel, "das aktuelle Kunstgeschehen im Land abzubilden", bei diesem Modell nicht eingelöst sehen. Wir würden es ebenfalls begrüßen, wenn die Leistungen, die über eine Ausstellungsvergütung honoriert werden, genauer definiert werden könnten.
Wir bedauern es sehr, dass das aktuelle Konzept der Ausschreibung mit der Veränderung bisheriger Regularien zugunsten eines jurierten Wettbewerbs geändert worden ist. Die inhaltlichen Aspekte, die gefordert werden, bedienen einen trendigen Diskurs und bilden unserer Meinung nach keineswegs das aktuelle Kunstschaffen im Lande ab.
Unsere Vereinigungen erreichten seit dem Zeitpunkt der Ausschreibung eine große Anzahl kritischer Rückmeldungen seitens unserer Mitglieder, in denen mehrheitlich die oben beschriebenen Aspekte Thema des Diskurses waren, was uns letztlich zu diesem offenen Brief an Sie bewogen hat. Wir möchten zu bedenken geben, dass nicht nur wir als Künstler*innen-Vereinigungen die Ausschreibung als schwierig ansehen, und wir befürchten, dass viele Künstler*innen im Saarland sich für die Saarart 2023 nicht bewerben werden.

Vorstand BBK Saar
Vorstand Saarländischer Künstlerbund
Vorstand Saarländisches Künstlerhaus

BBK Landesverband Saarland e.V.
Anni Kenn-Fontaine, Vorsitzende des Vorstands
Karlstraße 1
66111 Saarbrücken
Mail: bbk.lvsaar(at)t-online.de

Saarländischer Künstlerbund
Dirk Rausch, Vorsitzender des Vorstands
Karlstraße 1
66111 Saarbrücken
Mail: info(at)saarlaendischer-kuenstlerbund.org

Saarländisches Künstlerhaus e.V.
Anne-Marie Stöhr, Stellvertretende Vorsitzende des Vorstands
Karlstraße 1
66111 Saarbrücken
Mail: info(at)kuenstlerhaus-saar.de