Regards sans limites / Blicke ohne Grenzen #Retrospektive

31. August 2021 - 03. Oktober 2021

Retrospektive der ehemaligen PreisträgerInnen Anne-Sophie Costenoble, Patrick Galbats, Florian Glaubitz und Thilo Seidel


Das Stipendium "Regards Sans Limites / Blicke Ohne Grenzen" zur Förderung junger Fotografie in der Großregion wurde 2010 von dem in Nancy beheimateten Verein "Surface Sensible" ins Leben gerufen und hat seit seiner Gründung mehr als 10 Partnerinstitutionen der Großregion zusammengeführt. Bis heute wurden mehr als 56.000€ Stipendiengelder an 15 KünstlerInnen oder Kollektive verteilt und 37.500€ für künstlerische Produktionen vergeben.

Darüber hinaus wurden die prämierten Fotografien in vier Katalogen dokumentiert und in zahlreichen Ausstellungen in der gesamten Großregion von Kaiserslautern bis Lüttich gezeigt.

Innerhalb von 10 Jahren hat sich das Stipendium als feste Größe in der Landschaft des Kulturraums der Großregion etabliert, indem sowohl Institutionen als auch KünstlerInnen zusammengeführt und der kulturelle Austausch innerhalb der Großregion gefördert wurde.

Nun ist es an der Zeit für einen Rückblick auf das Stipendium. Die ehemaligen PreisträgerInnen waren eingeladen, sich für die diesjährige Retrospektive zu bewerben. Fünf KünstlerInnen wurden ausgewählt, ihre Fotografien in der Wanderausstellung zu zeigen und damit ihre Region zu vertreten. Im Rahmen des Europäischen Monat der Fotografie zum Thema Repenser le paysage / Repenser la nature in den Landschafts- und Naturdarstellungen der gegenwärtigen Fotografie, wurde die Retrospektive 2021 eröffnet.

Repenser le paysage / Repenser la nature Umdenken der Landschaft / Umdenken der Natur


Während die landwirtschaftliche Arbeit seit Jahrtausenden im Zentrum des menschlichen Lebens steht, ist der direkte Bezug zur Natur für die meisten Menschen in Industrieländern keine Selbstverständlichkeit mehr. In unserem mechanisierten und digitalisierten Zeitalter ist der Kontakt mit der Natur eine bewusste Entscheidung. Naturerfahrung bedeutet nicht immer eine unmittelbare Begegnung; Natur wird oft in einem inter-passiven Prozess auch durch die Fotografie konsumiert.

Während die Bestimmung einer bestimmten geologischen Realität Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher und naturwissenschaftlicher Debatten ist, konzentrieren sich die philosophischen und künstlerischen Diskussionen des Anthropozäns hauptsächlich auf die Veränderung der Beziehung zwischen Mensch und Natur.

Dieses neue Bewusstsein und die verstärkte Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie wir mit unserer Umwelt umgehen, spiegelt sich im Konzept des Anthropozäns wieder, das den Anbruch einer neuen, vom Menschen geschaffenen geologischen Ära propagiert. Wir sprechen nicht mehr von den Gegensatzpaaren Kultur und Natur oder Mensch und Umwelt, sondern wir sind uns der gegenseitigen Abhängigkeiten bewusst geworden.

Heute leben wir in einer Natur, die sich in einer tiefen Krise befindet. In der Tat, es ist die Menschheit, die in der Krise steckt, und die Natur rebelliert. Brände, Wirbelstürme, Überschwemmungen, mit Plastik ver-seuchte Meere, Artensterben, schmelzende Gletscher, steigender Meeresspiegel, giftige Böden, steigende Temperaturen, lang anhaltende Trockenperioden, all dies ist die Realität, der wir uns stellen müssen.

Das fotografische Bild der Natur spielt seit der Erfindung des Mediums eine entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung der Natur - Die Natur als ländliche und vorstädtische Landschaft in all ihren Facetten war schon immer ein Thema populärer Fotografie.

Heute geht die Fotografie über diese Darstellungen hinaus, indem sie zu einem mächtigen Instrument wird, um Umweltauswirkungen zu hinterfragen und katastrophale Veränderungen im Verbraucherverhalten aufzuzeigen. Sie kann zu einem Umdenken in der Beziehung zwischen Mensch und Natur führen. (Auszüge aus dem Begleittext Repenser le paysage / Repenser la nature von Paul di Felice).
Abb.: © Florian Glaublitz